Erste Frage, vor jedem Deutsch-Seminar:
Wie kann man ein so interessantes Thema nur so versauen?
Was passiert wohl, wenn ich jetzt auf den Tisch klettere und laut wie ein Affe grunze?
Es gibt Studenten, die in allergrößter Selbstsicherheit mit den bestformuliertesten Argumenten um sich schlagen und dabei den größtmöglichen Mist von sich geben. Deshalb halte ich grundsätzlich den Mund. Auch wenn ich alles besser weiß.
Ich überlege mir, ob ich mich jetzt demonstrativ umdrehe und die Wand hinten anstarre - den Dozent scheint ja auch irgendetwas daran zu faszinieren, wenn er immer über unsere Köpfe hinwegschielt.
Wieso wird die Anwesenheit eigentlich immer nur dann kontrolliert, wenn ich fehle?
Wäre es jetzt arg frech, wenn ich einfach gehe?
Hm... ist das Gras? Ich glaube,... nein! Doch, ich bin mir ganz sicher: es riecht permanent nach Gras.
Hm... wenn das tatsächlich Gras ist, dann laufe ich nachher nicht aus dem Zimmer, sondern schwebe.
Im Übrigen hätte ich auch nichts gegen eine vorzeitige Entrückung. So jetzt zum Beispiel. Und jetzt. Und jetzt. Und jetzt. Jetzt auch noch. Immer noch.
Jippeeee, es gibt ein Skript zu lesen. Endlich habe ich die offizielle Erlaubnis nicht nach vorne zu schauen - ohne dabei unter den 20 Studenten aufzufallen. Wieso sind die Seminare im Sommersemester eigentlich so klein?
Während die ganzen anderen Studenten schon die Seiten blättern, stecke ich immer noch im ersten Satz fest. Ich lese ihn zum 15. Mal oder so.
Gott sei Dank werde ich NIE Grundschullehrer. Sonst müsste ich mit meinen Schülern auch ganz tolle "Treppengedichte" machen (didaktisch anscheinend äußerst wertvoll).
WIE BITTE?!? Ich soll jetzt auch eins entwerfen? Meint der Typ das ernst?
Bin ich etwa ein Zweitklässer namens Frank - so wie im Beispiel im Text?
Wie kriminell müssen Eltern heute sein, ihr Kind so zu nennen? Ich versuche mir die herzzerreißende, äußerst dramatische Geburt vorzustellen: Die Frau kreischt sich ihre Stimmbänder kaputt, des Mannes Hand wird unter dem Druck zerquetscht und nach 18 Stunden Emotionenfeuerwerk liegt das kleine verschmierte, zerknautschte Ding in den Armen der Eltern. Sie weinen, schluchzen, lachen, sehen sich an und flüstern gleichzeitig: "Frank." So und nicht anders soll er heißen.
Aber darüber lässt sich wohl nicht streiten.
Junge, Junge, da kommt die Inspiration ja wie von selbst. Ob das vielleicht tatsächlich Gras ist? Ich hoffe nicht. Nicht dass ich in Zukunft noch auf dumme Ideen komme.
4 comments:
Dafür gibt's ein Lob! :)
frank ist ein toller name..
Für einen Zweitklässer zweifelsohne...
da bekommt man ja richitg Lust aufs Studieren... ;)
Post a Comment